Liebe Gemeinde, liebe Leserinnen und Leser,
seit über einem Monat blüht und sprießt vor dem Baalsdorfer Gemeindehaus das Paul-Gerhardt-Beet. Am letzten Aprilsonntag pflanzte die Gottesdienstgemeinde mitgebrachte Blumen ein: Narzissus und die Tulipan, Schmuckkörbchen und Garten-Nelke, Margerite und Schlüsselblume. Nicht alle hat Paul Gerhardt ausdrücklich in seinen Liedern genannt, aber wenn wir von der schönen Gärten Zier singen, dann sehe ich die verschiedensten Blüten vor meinem inneren Auge.
In diesem Jahr kehrt der Todestag dieses bedeutenden Dichters zum 350. Mal wieder. 1676 starb er in seinem siebzigsten Lebensjahr in Lübben im Spreewald. Für mich auch Anlass, wieder einmal zu staunen, wie viele Paul-
Gerhardt-Songs wir quer durch das Kirchenjahr immer noch und immer wieder gern singen. In einem Essay urteilte die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff: „Seine Lieder gehören zum Schönsten der religiösen Dichtung in deutscher Sprache“. Und sie schrieb von seiner „großen Kunst, Menschen mit sehr verschiedenen Lebensweisen und Bildungsgraden zu bezaubern, sie in einem andächtigen Gefühl zu einen, und das über Jahrhunderte hinweg.“

Foto: Ute Schoch, 2026
Geh aus, mein Herz ist ein schönes Beispiel dafür. Mit Bildern aus der Natur, von Gärten, Wäldern und Feldern bringt Gerhardt die Freude zur Sprache, die uns das Herz füllt, wenn wir mit offenen Augen und Ohren durch Gottes Schöpfung gehen. Des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen. Eine gute Übung, einmal ganz bewusst auf das zu achten, was ich bei einem Spaziergang sehe, höre, rieche oder anfassen, berühren kann. Und ein gutes Rezept sicher, wenn es uns an Freude fehlt, und zur reichlichen Anwendung empfohlen. Paul Gerhardt weiß, wovon er spricht: Er selbst hat in seinem Leben viel Kummer und Leid erfahren.
Sehr gefreut hätte ihn sicher, dass die hochbegabte Nachtigall besonders in Berlin wachsende Bestände aufweist. Berlin gilt als „Nachtigallen-Hauptstadt“, Gerhardt war dort insgesamt achtzehn Jahre lang als Pfarrer tätig gewesen.
Freude an der Natur, an Gottes Schöpfung und Freude am Singen kann guttun, heilsam sein, uns lebendiger machen.
Hier noch eine Idee dazu für den Sommer: Warum nicht unterwegs sein auf dem Paul-Gerhardt-Wanderweg durch Berg, Hügel, Tal und Felder? Seit 2019 führt dieser Weg von Berlin nach Lübben. Über neun Etappen und 140 Kilometer verbindet er seine einstigen Wirkungsstätten. Genug Zeit also, um alle 26 Paul-Gerhardt-Lieder in unserem Gesangbuch mit sämtlichen Strophen mehrfach zu singen.
Ihr Pfarrer Johannes Markert

