Endlich Urlaub

Wie viele warten schon sehnsüchtig darauf. Endlich in der Sonne liegen, im Meer baden, neue Gegenden erkunden, Abschalten vom Alltag, Abstand gewinnen von manch schwierigen Erfahrungen der letzten Wochen und Monate…
Allerdings reisen manche Menschen nicht in ferne Gegenden, sondern machen Jahr für Jahr Urlaub zu Hause, vielleicht weil sie aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen nicht verreisen können oder wollen oder weil ihnen das Geld fehlt. Urlaub daheim, das kann für viele in diesem Jahr so sein, weil das Reisen noch immer zu gefährlich ist, manch beliebtes Reiseziel gesperrt ist oder auch, weil das Geld fehlt. Doch Urlaub zu Hause – klingt das nicht wie ein Widerspruch in sich? „Probier’s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit, wirfst du den Alltag und die Sorgen fort, und wenn du stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir, egal von welchem Ort“, singt der Bär Balu in dem bekannten Walt-Disney-Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch“. Mancher hat beim Lesen des Textes auch gleich die Melodie im Ohr und swingt mit. Balu ist mir sofort sympathisch, und ich beneide ihn um seine Lebenskunst: Alltag und Sorgen über Bord zu werfen, einfach mal abzuschalten und alle Viere von sich zu strecken. Etwas seriöser hat das einmal der Zisterzienser-Abt Bernhard von Clairvaux in einem Brief an Papst Eugen III. aus dem Jahre 1150 formuliert: „Es ist viel klüger, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. Du fragst, an welchen Punkt? An den Punkt, wo das Herz hart wird. Frage nicht weiter, was damit gemeint ist; wenn du jetzt nicht erschrickst, ist dein Herz schon so weit. (…) Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“ Auch im Markusevangelium (6, 30-34) empfiehlt Jesus seinen Jüngern
Urlaub zu machen. Nach einer Zeit, in der sie durch die Dörfer der Umgebung gezogen waren, um das Evangelium zu verkündigen, kehren sie zurück. Nach Jesu Rat sollen sie aber nicht mal nur ausspannen. Jesus rät ihnen zu einem Urlaub mit wenigen Menschen und an einem einsamen Ort. Weg von den großen Urlaubsorten, nicht dorthin zu gehen, wo alle sind und wo man meint, gewesen sein zu müssen. Sein zweiter Ratschlag: Urlaub um auszuruhen. Nicht drei Länder in vier Tagen sehen, nicht umherhetzen, um alles vermeintlich Verpasste nachzuholen. Ruhe und Zeit haben, um Körper und Geist zu erholen, zu regenerieren. Innehalten, um wieder zu sich selbst zu finden, um in Einklang mit Gottes wunderbarer Schöpfung
zu kommen, um endlich Zeit für Gemeinschaft zu haben, die Menschen wieder zu treffen, von denen man schon so lange getrennt war. Urlaub – wunderbar geschenkte Zeit, für sich selbst, untereinander und mit Gott. Ich wünsche allen diese erholsame Zeit!
Birgit Silberbach